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Möbel aus ganz besonderem Stoff

Viele denken bei Plastikmöbeln nur an Gartenstühle. Dabei ist die Palette an Möbeln aus Kunststoff weitaus größer, als man glauben würde. Vor allem Designer der Sechziger- und Siebzigerjahre haben das vielseitige Material für sich entdeckt. Viele dieser Entwürfe wurden inzwischen neu aufgelegt.

Von Michaela Darmann

Noch vor einigen Jahren rümpften design­orientierte Einrichtungsfans beim Stichwort Plastikmöbel die Nase. Kamen ihnen dabei doch nur unansehnliche Gartengarnituren oder billige Badezimmerregale in den Sinn. Zu Unrecht, denn spätestens mit Einzug der Retro-Welle feierten PVC-Möbel ein stilistisches Comeback – und sind heute auch in Designerkreisen voll angesagt.

Bereits in den 40er-Jahren entdeckten Designer wie Charles und Ray Eames die vielseitigen Möglichkeiten von Kunststoff für sich. Sie entwarfen den ersten industriell gefertigten Stuhl mit einer Sitzschale aus Kunststoff. Doch als die eigentliche Geburtsstunde von Plastikmöbeln gelten die Sixties, als Verner Panton mit dem ersten aus einem Stück gefertigten Vollkunststoff-Stuhl eine neue Generation von Kunststoff-möbeln schuf. Durch neue Techniken gewonnene Materialien, die einfach in der Verarbeitung und variabel im Einsatzgebiet waren, entwickelte sich ein regelrechter Kunststoffboom. In den 70er-Jahren gab es fast nichts, was sich nicht aus Plastik, Plexiglas, Schaumstoff & Co. herstellen ließ. So wurden neben Stühlen Tische, Regale und Lampen aus Kunststoff gefertigt. Und in den 80er-Jahren wurden schließlich auch aufblasbare Sitzmöbel modern.

Die Möglichkeit, Kunststoff zu formen und einzufärben, verwandelte schnödes Plastik in außergewöhnliche Wohnaccessoires. Namhafte Designer ließen sich zu „Kunst-Werken“ inspirieren, an denen so mancher Trendsetter Gefallen fand. Heute zählen Klassiker aus den 60er- und 70er-Jahren wie der Freischwinger von Verner Panton zu begehrten Kultobjekten in Liebhaber- und Sammlerkreisen. Zudem wurden viele Entwürfe von damals inzwischen neu aufgelegt.

Das Kleinmöbelsortiment aus Kunststoff reicht heute von Beistell- und Couchtischen über Regale, Stühle bis hin zu Standobjekten in den verschiedensten Farben und Formen. Besonders für Kinder ist das Angebot an Plastikmöbeln groß. Dabei überzeugen die Produkte nicht nur in puncto Design, sondern auch hinsichtlich ihrer praktischen Eigenschaften, weil sie einfach zu reinigen und in den meisten Fällen auch wetterbeständig sind. Dadurch lassen sich Kunststoffmöbel sowohl im Innen- wie auch im Außenbereich einsetzen. Ein Pluspunkt, der auch bei neuen synthetischen Materialien zum Tragen kommt.

So entwickelte die italienische Designerin Paola Lenti spezielle Garne, die zwar zu hundert Prozent aus Kunststoff bestehen, sich aber zu Textilien wie Teppichen oder Bezugsstoffen für Sofas verarbeiten lassen. Da diese weniger wie ein Kunststoff, sondern eher wie ein Naturstoff aussehen, sind sie im Wohnbereich äußerst beliebt. Gleichzeitig sind Lentis Produkte für Terrasse oder Garten geeignet, da sie robust und wetterbeständig sind.

Neue Materialien und Verarbeitungsmethoden haben dazu beigetragen, dass Kunststoffmöbel ihr Billigimage ablegen konnten. Dennoch haben einige Konsumenten Bedenken, was deren Gesundheitsbewusstsein betrifft. Diese Befürchtungen können allerdings entkräftet werden, da Kunststoffe aus der Europäischen Union mittlerweile zahlreichen Auflagen unterliegen und Plastikmöbel in der Regel als gesundheitlich unbedenklich gelten. Mit Vorsicht zu genießen sind hingegen Billigprodukte aus Fernost. Aus diesem Grund sollte beim Kauf von synthetischen Möbeln auf gute Qualität und Herstellerhinweise geachtet werden.

Auch die neueste Entwicklung, nämlich die von Bio-kunststoffen, kommt dem Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher entgegen. Dabei handelt es sich um vorwiegend aus nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen hergestellte Materialien und nicht um Erdölprodukte. Sie können einfach recycelt werden und belasten nicht die Umwelt. Auch wenn man für Designermöbel aus Biokunststoff etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

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Die Plastikrevolution

In den Siebzigerjahren gab es einen regelrechten Kunststoffmöbelboom. Die Möglichkeit, Möbel aus neuen synthetischen Materialien herzustellen, wurde auch „Plastic Revolution“ genannt. Diese durch neue Techniken gewonnenen Kunststoffe waren preiswert herzustellen, einfach in der Verarbeitung und variabel im Einsatzgebiet. So entwickelte sich ein undenkbarer Formenreichtum – vor allem organisch geformte Möbel waren sehr beliebt.

Die Lieblingsmaterialien der Designer der Siebzigerjahre waren Plastik, Plexiglas, Schaumstoff und aufblasbares PVC. Es entstanden sogar Wegwerfmöbel, die das höchste der Gefühle in einer Zeit waren, in der Individualität und Mobilität an erster Stelle standen. So gab es z. B. Möbel, die man sich selbst aus der Tube pressen konnte. Mit der Rohstoffknappheit, der Ölkrise und der aufkommenden Öko-Welle endete jedoch der Synthetikboom. Erst mit der Retro-Welle kehrte die Begeisterung für Plastikmöbel wieder zurück. Quelle: www.design-70er.de

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